Benjamins Herzenswunsch

Es war einmal ein Schneemann namens Benjamin. Benjamin war ein kleiner Schneemann aus zwei dicken runden Kugeln, mit einer schönen Möhre als Nase, Kieselsteinen als Augen und einer grünen Pudelmütze auf dem Kopf. Benjamin war ein besonderer Schneemann, denn jedes Jahr zur Weihnachtszeit erwachte er auf magische Weise zum Leben. Er liebte es dann durch den glitzernden schneebedeckten Wald zu spazieren, sich hin und wieder mit einem Vögelchen zu unterhalten und die leuchtenden Plastiksterne in den Schaufenstern der Menschen zu zählen. Benjamin liebte den Duft von heißer Schokolade, Keksen und Tannenduft in der Luft und das warme Lächeln, das zu dieser Zeit auf den Gesichtern der meisten Menschen lag. Außerdem summte Benjamin für sein Leben gern „Oh Tannenbaum“ oder „ Oh du fröhliche“ mit, wenn es auf den Weihnachtsmärkten gespielt wurde und beobachtete mit Freude, welche Geschenke die Menschen für ihre Liebsten nach Hause trugen. Kurz um, Benjamin konnte sich keine schönere Zeit im Jahr vorstellen, um zum Leben zu erwachen.


Es gab nur eins, was ihn jedes Jahr aufs Neue ein wenig traurig machte. Jedes Jahr am Heiligabend drückte sich Benjamin die Möhrennase an den Fensterscheiben der Häuser platt und sah Familien, Paaren und Freunden dabei zu, wie sie zu Abend aßen, gemeinsam musizierten, lachten und schließlich unter einem wunderschön geschmückten Weihnachtsbaum ihre Geschenke auspackten. Benjamin streifte den ganzen Abend von einem Fenster zum anderen, durch die leeren Straßen und betrachtete das Glück der Menschen. Hin und wieder musste er sich dann eine kleine Träne von der Wange wischen – er wäre doch so gern einmal ein Teil dieser Festlichkeit gewesen! Doch sobald er ein warmes Wohnzimmer betreten würde, würde er sofort zerschmelzen und niemand von den Menschen wollte den ganzen Abend draußen bei ihm in der Kälte verbringen. Auch konnte Benjamin nicht schreiben, sonst hätte er sich vielleicht ein Herz gefasst und einen Brief mit seinem Wunsch an den Weihnachtsmann geschrieben. So aber, konnte er nur zuschauen und sich für die Menschen freuen.


Als er sich in diesem Jahr auf den Heimweg machte, da schickte er seinen Wunsch, wie immer, nur stumm gen Himmel – den Wunsch, dass es vielleicht im nächsten Jahr irgendeine Möglichkeit gäbe einen Weihnachtsabend wie die Menschen zu verbringen, vor allem aber einen Weihnachtsabend an dem er nicht allein war. Dann trottete er durch den Schnee und die Stille zurück zu dem Wäldchen, wo er sich stets schlafen legte. Doch bereits von weitem sah er, dass irgendetwas anders war als sonst. Am Waldrand schien es zu leuchten und zu funkeln. Je näher er dem Wald kam, desto mehr erkannte er, was genau dort funkelte und desto weniger konnte er seinen eigenen Augen trauen.


Die größte und schönste Tanne am Waldesrand war schöner geschmückt, als jeder Baum den er jemals in den Häusern der Menschen erblickt hatte. Strohsterne, Glaskugeln und hunderte von Kerzen zierten die Tanne und an ihrem Fuß lagen drei kleine, sorgfältig verpackte Päckchen. Neben dem Baum standen neun Rentiere und ein hölzerner Schlitten, von dem ebenfalls ein warmes Leuchten auszugehen schien. Zwei kleine Kobolde waren gerade dabei Futter für die Rentiere aus dem Schlitten zu holen. Benjamin rieb sich die Augen. Er musste träumen! „Hallo Benjamin“, sagte da eine Stimme hinter ihm, „gefällt es dir?“ Benjamin wandte sich um und blickte in das warmherzige Gesicht des Weihnachtsmanns. „Ich bin dieses Jahr etwas eher mit meiner Geschenketour fertig geworden und dachte, nun kann ich dir endlich deinen Wunsch erfüllen, nicht allein, mit einem Baum und Geschenken, so wie es die Menschen machen, Weihnachten zu feiern. Wenn es dir recht ist, dann feiere ich dieses Jahr mit dir zusammen.“ Benjamin war sprachlos. Eine kleine Freudenträne kullerte über seine Wange. „Aber wie…woher…?“, stammelte er. „Woher ich von deinem Wunsch wusste? Nun ja“, sagte der Weihnachtsmann lächelnd, „Herzenswünsche wie deiner sind so stark, ehrlich und innig, dass sie mich auch ohne Brief oder Wunschzettel erreichen. Und ich bin sehr froh, dass ich ihn dir nun endlich erfüllen kann.“ Benjamin war überglücklich. Er dankte dem Weihnachtsmann noch viele Male an diesem Abend, während sie gemeinsam mit den Kobolden zu Abend aßen und den Weihnachtsbaum bewunderten. Es war das schönste Weihnachten, das Benjamin jemals erlebt hatte.

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