Betrunken

Noch nie zuvor war er so oft betrunken gewesen. Es war neu für ihn, dass sein Mund taub zu sein schien und er einfach nicht mehr in der Lage war die richtigen Worte zu finden. Er war es nicht gewohnt, die ganze Zeit so ein Kribbeln im Bauch zu haben und fast dauerhaft übertrieben gut gelaunt zu sein. Er konnte nachts nicht schlafen, weil sich alles drehte und er keinen klaren Gedanken fassen konnte. Sein Gehirn war dauerhaft benebelt und unfähig ihm klare Anweisungen zu geben. Es verirrte ihn. Machte es ihn doch hilflos und versetzte ihn in einen Zustand ständiger Furcht. Furcht davor in jeden Moment etwas Falsches zu tun. Seine Schritte waren fahrig und unsicher, sodass er immer und immer wieder strauchelte.
Wenn er morgens aufwachte zerbarst ihm der Kopf , weil er für die Ereignisse und Fragen der letzten Nacht kaum genügend Platz bot. Dass er immer öfter morgens nicht aus dem Bett kam, weil der Exzess des Vorabends noch zu tief saß, sah ihm eigentlich auch nicht ähnlich. Aber er konnte es einfach nicht lassen. Er kannte die Gefahr. Er wusste wie sehr er sich schaden konnte. Trotzdem nahm er das Risiko in Kauf.
Denn seit der sie kannte war er pausenlos betrunken. Betrunken vor Liebe – betrunken vor Glück. Es machte ihn blind und es machte ihn taub. Sie ließ ihn in einem Rausch schweben, der die Welt so viel einfacher, so viel besser machte. Betrunken zu sein war so einfach, so beglückend. Und dafür war er auch bereit den Moment zu vergessen, der ihn jederzeit einholen konnte. Den Moment, der ihn zurück in einen dunklen Abgrund stoßen würde. Der Moment des Ausnüchterns.

Hinterlasse einen Kommentar