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WOHLFÜHL-OASE
Je länger ich mich fast ausschließlich zu Hause aufhalte, desto klarer wird mir, wie wichtig ein gemütliches zu Hause ist. Oder in meinem Fall, ein gemütliches WG-Zimmer.
Als ich im letztem Jahr fürs Studium in meine WG gezogen bin, da hatte mein Zimmer eher einen praktischen Nutzen. Wirklich zu Hause war ich nur zum Schlafen, zum Kochen und um mich vor der nächsten WG-Party, dem nächsten Theaterabend oder dem nächsten Sportkurs umzuziehen. Mein Zimmer war deshalb nicht ungemütlich, aber ich habe kaum wert auf Details gelegt. Ob es nun ein bisschen mehr oder weniger wohnlich war, hat für mich keine Rolle gespielt. Meistens war ich sowieso gleich wieder weg.
Jetzt, wo ich Tag für Tag in meinem Zimmer verbringe, hat sich das allerdings geändert. Immer wieder fallen mir Kleinigkeiten auf, die man noch verändern könnte, um den Raum gemütlicher zu machen. Vor Kurzem habe ich all die losen Zettel in meinem Aktenschrank sortiert und alles schön säuberlich in Kisten und Ordner verpackt. Durch die Ordnung in meinem Schrank habe ich mich sogar selbst ein bisschen geordneter gefühlt.


Besonders angetan hat es mir allerdings die Raumgestaltung mit Zimmerpflanzen. Von Kakteen über Orchideen bis hin zu Monstera und Aloe Vera habe ich inzwischen alles in meinem Zimmer stehen. Das Paradoxon dabei ist, dass ich eigentlich den schwärzesten Daumen auf diesem Planeten habe. Früher habe ich ständig vergessen meine Pflanzen zu gießen oder mal nachzulesen, ob sie vielleicht mehr oder weniger Licht brauchen. Seit ich durch die Online-Lehre aber so viel zu Hause bin, sind mir die Pflänzchen richtig ans Herz gewachsen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie breit ich grinsen musste, als ich vor ein paar Tagen meine Orchidee gegossen habe. Meine Orchidee, die sich seit zwei Jahren weigert zu blühen. Und plötzlich entdecke ich da einen neuen Trieb mit einer Knospe. Es lohnt sich also, dass ich mich jetzt besser um meine Pflanzen kümmere und dafür ein bisschen Sauerstoff und Naturatmosphäre zurück bekomme.


Bereits vor einem halben Jahr hatte ich beschlossen, dass ich mir gern noch eine schöne Stehlampe zulegen möchte. Dann war ich allerdings so selten in meinem Zimmer, dass ich die Idee immer wieder verschoben habe. Jetzt wo ich abends eher selten weg gehe und lieber lese, als Netflix zu schaue, habe ich mir endlich einen Ruck gegeben. Neben all meinen Lichterketten und Kerzen, spendet mir nun auch eine Stehlampe ihr wohlig warmes Licht.
Wahrscheinlich verdienen OBI und Ikea gerade eine ganze Menge mit meiner Zimmerverschönerung, aber was solls. Was ich gerade nicht in Theaterkarten investiere, bleibt ja für Blumendünger und Lichterketten übrig. Wichtig ist, dass ich jetzt richtig gern in meinem Zimmer bin. Und wenn sich doch mal die Sehnsucht nach einem Festivalbesuch einstellt, dann knipse ich einfach meine Stehlampe an, schlage mein Buch auf und freue mich, dass man es sich auch zu Hause schön machen kann.

