On my way to wonderland

Die Reise in den Norden beginnt


29.08.2023

02.30 3.30 Closing the Door

Mein Wecker klingelt und obwohl ich nur 4 Stunden geschlafen habe, bin ich sofort hellwach. Ich snooze aus Gewohnheit trotzdem noch 2x kurz und schäle mich dann aus dem Bett. Ich putze mir die Zähne, sammle meine geschmierten Brote aus dem Kühlschrank ein, koch mir einen Kaffee und hüpfe in meinen Zwiebel-Look für die Reise. Ein paar letzte Handgriffe, ein letztes Überprüfen der Reiseunterlagen, dann schließe ich die Wohnungstür für die nächsten 5 Monate hinter mir.

3.30 3.45 Walfleisch und Feueralarm

Ich wuchte meinen Koffer die Treppe hinunter und trete hinaus in die angenehm kühle Nacht. Draußen wartet bereits ein zuvorkommender Herr am Taxi und hilft mir mein Gepäck in den Kofferraum zu bugsieren. Beim Einsteigen stellt er sich mir als Paul vor. Wir machen uns auf den Weg in Richtung Bahnhof und Paul fragt, wo es denn mit so viel Gepäck hingehe. „Nach Finnland“, sage ich und Paul ist direkt begeistert. Die Finnen seien ja unter anderem für Walfleisch bekannt und das habe er auch schon mal probiert und, ach, war das eine spannende Erfahrung! Seine Begeisterung rührt mich, aber als Vegetarierin wird mir um 3.30 und mit leerem Magen bei dem Gedanken an Walfleisch doch ziemlich übel. Trotzdem nicke ich höflich und Paul erzählt begeistert weiter, wie er das erste Mal Haifleisch gekostet habe und das Hai ja eigentlich wie Hähnchen schmecke. Bevor ich erneut nicken und mir seine Meinung zum Geschmack von Krokodil anhören kann, erreichen wir den Bahnhof. Als ich aussteige und endlich den Gedanken an das Fleisch exotischer Tiere verdränge, dröhnt aus dem Bahnhof bereits eine ohrenbetäubende Sirene. Eine Ansage schallt durch die nächtliche Eingangshalle: „Feueralarm. Bitte verlassen Sie zügig das Gebäude. Helfen sie gegebenenfalls anderen Personen, das Gebäude zu verlassen.“ Paul reicht mir meinen Koffer und seine Visitenkarte. Wenn ich eine Meinung zu Rentierfleisch brauche, werde ich ihn anrufen. Spaß. Insgesamt ist er trotzdem einer der freundlichsten Taxifahrer, bei denen ich bisher mitgefahren bin. Ich winke ihm zum Abschied und stapfe auf das Bahnhofsgebäude zu. Ich stelle mich zu einer Gruppe wartender Menschen, während die Sirene weiter durch die leere Bahnhofhalle dröhnt. Bevor ich mir ernsthafte Sorgen machen kann, wird es still. Der Alarm scheint vorbei zu sein.

1 kleiner Hobbit verbringt die letzten Minuten im eigenen Zimmer
Der nächtliche Hauptbahnhof Halle (Saale)

3.45 3.55 Next Level Reise-Game

Ich betrete den Bahnhof und mache mich auf den Weg zum Gleis, wo meine S-Bahn bereits waret. Ich muss eigentlich nur noch einsteigen. Eigentlich. Es ist nämlich eine von diesen S-Bahnen, bei der irgendwann auf dem Weg die Hälfte des Zuges abgekoppelt wird und woanders hinfährt. Ich checke also noch 5 mal, ob ich auch im richtigen Wagon sitze und frage mich, wo ich versehentlich die erhöhte Schwierigkeitsstufe fürs Reisen eingestellt habe. Als ich sicher bin nicht versehentlich in Dessau zu landen, kann ich mich und mein Gepäck endlich auf einen Sitz fallen lassen. Zufrieden werfe ich einen Blick auf die Anzeigetafel im Zug und erstarre. „Ursprüngliche Abfahrt 3.55. Heute voraussichtlich 4.25“ steht da. Fuck. Dieses Reise-Game macht mich jetzt schon fertig. Wahrscheinlich hätte ich vorher noch ein bisschen mehr leveln sollen. Bevor ich jemanden nach dem Grund der Verspätung fragen kann, folgt eine Durchsage: „Sehr geehrte Damen und Herren, aufgrund des Feueralarms dürfen wir den Bahnhof aktuell nicht verlassen und werden voraussichtlich erst 4.25 abfahren können. Sollte es Änderungen geben, lasse ich es Sie wissen.“ Und ich dachte wirklich, wenn ich nachts um 4 verreise, dann kann nun wirklich nichts schief gehen. Mein Puls fährt hoch und ich beginne panisch zu googlen, welche Optionen ich habe, falls ich durch die Verspätung meinen Anschlusszug in Wittenberg nicht schaffe. Der erste ICE an dem Tag hält dort, stelle ich fest. Den könnte ich nehmen. Wird dann aber recht knapp am Flughafen. Uff. Gerade als ich die Alternative buchen will, ertönt eine weitere Durchsage: „Sehr geehrte Damen und Herren, die Feuerwehr hat den Bahnhof nun wieder frei gegeben. Wir können doch planmäßig 3.55 abfahren.“ Ich spüre wie sich der Kloß in meinem Hals löst und mich eine Welle der Erleichterung überkommt. Ich schließe das Buchungsportal der DB und lehne mich zurück. Ohne scheiß, dieses Reise-Game ist nervenaufreibender als der Endboss jeder Skyrim-Quest.

3.55 6.47 Frühstücksschokolade

Die S-Bahn rollt an und die lege die ersten Meter in Richtung Oulu zurück. Abgesehen von den nächtlichen Turbulenzen in Halle verläuft der restliche Weg zum Flughafen dann aber glücklicherweise ohne weitere Zwischenfälle. In Wittenberg steige ich problemlos in den RE um und in Ludwigsfelde in den RB zum BER. Gegen 5 Uhr bekomme ich ein bisschen Hunger und krame ein paar Nüsse und ein Stück Schokolade aus meinem Rucksack. Ich muss grinsen als ich mir die Schokolade in den Mund schiebe. Erwachsensein kann schon manchmal ziemlich stressig sein, gleichzeitig frühstücke ich aber gerade um 5 Uhr morgens Schokolade, ohne mich vor irgendjemandem rechtfertigen zu müssen. Und da muss ich schon sagen – hat was! (:

Letzte Etappe zum Flughafen
1 kleiner Hobbit ist müde, aber froh so weit gekommen zu sein

6.47 7.50 Sprengstofftest

Pünktlich 6.47 hält der Zug dann am Terminal 1-2 des BER. Ich wuchte meinen Koffer aus dem Zug und stapfe in Richtung Check-In. Die Gepäckabgabe verläuft entspannt und mein Koffer ist hier auf der Waage sogar 200g leichter als zu Hause. Um genau 22,3kg leichter mache ich mich anschließend auf den Weg zu Sicherheitskontrolle, wo ich ganze 5 Plastikboxen brauche, um meinen ganzen Kram für die Durchleuchtung zu verstauen. Der Typ am Sicherheitsschalter lacht, als ich nach meinem Laptop, meiner Powerbank und meiner JBL Box meinen Föhn aus dem Rucksack zerre. „Den hätten Sie ruhig drin lassen können.“, meint er freundlich und grinst. „Aber passt schon und guten Flug dann!“ Ich bedanke mich, gehe durch die Schleuse und warte auf der anderen Seite auf meine 5 Plastikboxen. Plastikbox 1, 2, 3 und 4 kommen kurze Zeit später angerollt und ich beginne meinen Kleinkram einzusammeln. Ich will mich schon freuen als auch Box 5 mit meinem Rucksack angrollt kommt, aber da wird irgendwo neben mir plötzlich ein Knopf gedrückt. Mein Rucksack ruckelt kurz und wird dann auf ein anderes Band umgelenkt. Eine Frau winkt mich zu sich um meint „Sprengstofftest“. Eine Stimme in meinem Kopf bricht in schallendes Gelächter aus. Ohne Mist, wenn es um sowas geht, bin ich wirklich verflucht. Wenn es eine Person gibt, die ständig für sowas rausgezogen wird, dann ich. Als wir 2018 nach Neuseeland geflogen sind, mussten wir unter anderem in Melbourne zwischenlanden. Wir sind irgendwann mitten in der Nacht gelandet und mussten, um in die Transitzone zu kommen, nochmal mit unserem Handgepäck durch einen Sicherheitscheck. Mit den anderen Passagieren, die da hin mussten, waren wir vielleicht so zu acht. Zu acht! Da war sonst nichts los! Also wirklich so gar nichts. Aber drei mal dürft ihr raten, wer da zur Zufallskontrolle nochmal extra rausgezogen wurde. An der Stelle also nur so als Vorwarnung: Wenn ihr irgendwann mal was schmuggeln wollt, bin ich die falsche Ansprechperson. Es sei denn ihr wollt garantiert auffliegen. Dann schon.

7.50 8.40 Ready for Takeoff

Ich bin jetzt mit allem Orga-Krams durch und sitze nach einer kleinen Weltreise durch den Flughaften endlich am Gate. In der Hand halte ich meine Bordkarte und eine überteuerte Apfelsaftschorle. Jetzt kann mich nichts mehr aufhalten.

8.40 12.20 Blaubeersaft und höhere Mathematik

Oder zumindest fast nichts. Das Boarding beginnt eine halbe Stunde zu spät, verläuft dafür aber reibungslos. Mein Sitzplatz im Flieger stellt sich als entspannter Gangplatz heraus und der Sitz neben mir bleibt zusätzlich noch frei. Zwischendurch gibt es Blaubeersaft und ich frage mich, ob man den verteilt, weil er farblich so schön zur finnischen Flagge passt. So oder so, schmeckt er ziemlich nice. Als dann die Durchsage für den Landeanflug kommt und ich einen Blick auf die Uhr werfe, bin ich zuerst irritiert. Ich versuche eine mathematisch sinnvolle Erklärung dafür zu finden, dass wir zwar eine halbe Stunde später losgeflogen sind, gleichzeitig aber eine Stunde eher als ursprünglich geplant landen. Vor meinem inneren Auge entsteht eine mit derart komplizierten Berechnungen und Formeln gefüllte Tafel, dass sie der aus „Oppenheimer“ Konkurrenz macht. Die Finnen sind ja jetzt schon viel zu krass, denke ich. Und dann fällt mir die Zeitverschiebung ein. Ich muss über mich selber lachen und klappe den Laptop zu. Gleich heißt es erstmal sich am Flughafen in Helsinki zurecht zu finden. Ich hab vorhin schon keine einzige Durchsage verstanden. Könnte also lustig werden.

1 Stunde Zeitverschiebung

12.20 15.50 Flughafen Helsinki

Ich sitze nach einer weiteren kleinen Weltreise durch den Flughaften Helsinki jetzt wieder am Gate und warte auf meinen Anschlussflug. In der einen Hand halte die überteuerte Apfelschorle aus Berlin, in der anderen eine noch viel überteuertere Seven Up, hier aus Helsinki. Billig wird die Reise hier nicht, so viel steht fest. Abgesehen davon ist der Flughafen in Helsinki allerdings einer der schönsten Flughäfen, an denen ich bisher warten musste. Der Boden ist mit braunem Parkett ausgelegt, überall stehen Pflanzen und am Gate läuft gute Musik. Direkt gegenüber vom Gate ist eine Lounge, wo man entspannt sitzen und seine Geräte aufladen kann und wenn man in den holzverkleideten Toiletten aufs Klo geht, wird über die Lautsprecher Vogelgezwitscher abgespielt. Es geht wirklich sehr viel schlimmer.

Flughafen Helsinki
links: überteurte Apfelsaftschorle, rechts: überdimensional teure 7-Up

15.50 – 16.55 Finale Etappe

Das Boarding für den Flieger nach Oulu startet pünktlich und als ich diesmal meinen Platz im Flieger entdecke huscht ein breites Lächeln über mein Gesicht. Wieder ist neben mir ein Platz frei, aber für den finalen und deutlich kürzeren Flug habe ich einen Fensterplatz ergattert. Als wir abheben, höre ich gerade „Glitter and Gold“ von Barns Courtney und genieße den Ausblick aus dem Fenster. Ich weiß nicht ob es der Song ist oder der letzte Kaffee, aber so sehr wie noch nie in den letzten Tagen überkommt mich plötzlich ein Anfall von Vorfreude, Abenteuerlust und Begeisterung. Ich spüre wie ein Kribbeln meinen Bauch erfüllt und mich das Bedürfnis überkommt zu hüpfen. Unter mir ziehen kleine rote Häuser mit schwarzen Dächern, bunte Felder und vor allem unendlich weitläufige Nadelwaldflächen vorbei. Egal wo man hinsieht Bäume, Bäume und noch mehr Bäume. Als wir höher steigen und die Wolkendecke passieren, sieht es aus als würden die Wolken Eisschollen formen, zwischen denen hier und da kurz nochmal ein Haus oder Baum auftaucht. Inzwischen läuft „Nachts auf dem Fahrrad“ von Treptow und mein Grinsen ist noch breiter geworden. Ich hab jetzt wirklich richtig Bock.

v

Eisschollenwolken
Landeanflug auf Oulu

16.55 17.26 Adrenalin-Kick am Kofferband

Wir sind gelandet! Als ich das Flugzeug verlasse, blitzt irgendwo in meinem Hinterkopf die Erinnerung an den nächtlichen Feueralarm in Halle wieder auf und ich spüre, dass sich das alles bereits Jahre entfernt anfühlt. Während ich tief durchatme und die Gepäckausgabe ansteuere, bin wirklich froh, dass ich es tatsächlich bis hier her geschafft habe. Als ich am Kofferband ankomme, dauert es nur wenige Minuten bis es sich in Bewegung setzt und die ersten Koffer übers Band rollen. Wie aus dem nichts fährt mein Puls plötzlich nach oben und ich beginne nervös von einem Fuß auf den anderen zu treten. Mal im Ernst, hat jemals jemand tiefenentspannt an der Gepäckausgabe gestanden? Ganz ohne hektisch nach dem eigenen Gepäck zu stieren, ganz ohne die leiseste Sorge, das eigene Gepäck sei doch irgendwo unterwegs liegen geblieben? Ich glaube nicht. Und wenn du da gerade sitzt, die Strin runzelst und denkst, „Hä doch?, dann muss ich dir leider eröffnen, dass du kein Mensch sondern eine Waschmaschine bist. Spaß. Aber anders kann ich es mir echt nicht erklären. Na jedenfalls kommt mein Gepäck dann irgendwann und obwohl ich sehr froh bin es zu sehen, habe ich die zusätzlichen 22,3kg nicht unbedingt vermisst. Ich zerre den Koffer mitsamt restlichem Gepäck zum Ausgang, wo man Tickets für den Bus kaufen kann. Beim Versuch die richtige Tarifzone auszuwählen, komme ich mit einer Französin ins Gespräch, die ähnlich ratlos zu seien scheint wie ich. Gemeinsam ergründen wir, dass wir weder Zone A noch B, sondern AB brauchen und trotten dann zusammen in Richtung Bus. Sie hat nicht nur einen, sondern gleich 2 große Koffer dabei und als das Mädchen vor mir versucht 3 große Koffer in den Bus zu wuchten, bin ich doch wieder froh über meine 1x 22,3kg.

17.2619.00 Koffer-Tetris

Der Bus ist so voll mit Koffern, dass wir an jeder Haltestelle aufs Neue Tetris spielen müssen, um Menschen und Gepäck halbwegs zu koordinieren. Irgendwie klappt es und ich lasse mich neben der Französin auf einen Sitz fallen. Wir quatschen ein bisschen und ich erfahre, dass es eine WhatsApp-Gruppe für alle Erasmus Incomings gibt. Als ich gestehe davon gar nichts mitbekommen zu haben, fügt sie mich sofort hinzu, muss kurz darauf aber aussteigen, weil sie in einem anderen Wohnheim untergebracht ist als ich. Zwei Haltestellen vor meinem Wohnheim steigt dann mein kummi student zufällig auch in den Bus. Die kummi students sind unsere Betreuungsstudierenden und wir hatten uns vor dem Wohnheim für meine Schlüsselübergabe verabredet. Wir quatschen kurz, sie bringt mich zum Zimmer und ich bin heil froh, dass das Wohnheim einen Fahrstuhl hat. Da das Leasing offiziell erst am 01.09. beginnt, gibt es noch kein WLAN und keinen Waschmaschinenzugang, aber auch das sollte dann in ein paar Tagen funktionieren. Soweit so gut. Als ich die Wohnung betrete, sehe ich, dass eine Person bereits da sein muss. An ihrer Tür hängt ein Regenschirm und an der Garderobe eine Jacke. Ich stelle fest, dass ich das Zimmer direkt neben ihrem habe. Das Zimmer ist 11m2 groß, enthält aber alles, was man braucht. Bett, Schrank, Regal und Schreibtisch. Die Wohnung hat zwei Blickrichtungen: eine zum Campus und eine direkt zum Wald. Mein Fenster zeigt Richtung Wald, der Schreibtisch steht direkt darunter. Das ist schon ziemlich sick! So lässt es sich arbeiten, denke ich. Als ich gerade meinen Koffer ausräume, kommt das Mädchen in die Wohnung, das bereits da ist und stellt sich als Isa vor. Isa ist 20, kommt aus Spanien und studiert „sowas wie Erziehungswissenschaften in Spanien „Early Childhood Education“. Sie ist ziemlich sweet, aber auch schüchtern und solange ich ihr keine Fragen stelle, kommt da kommunikativ nicht viel. Mal sehen, vielleicht taut sie in den nächsten Wochen ja ein bisschen auf.

Ankunft in Oulu
Koffertetris im Bus zur Uni

19.00 – 22.30 Finnisches Wetter und moderne Kunst

Nachdem ich meinen Koffer ausgepackt, mein Bett bezogen und mich einigermaßen sortiert habe, merke ich plötzlich wie sehr mein MAgen knurrt. Glücklicherweise gibt es einen Supermarkt, der nur 2 Minuten entfernt ist und Isa begleitet mich. Wie vermutet sind die Lebensmittel in Finnland einigermaßen teuer, aber der Kaffee ist für 2 Euro im Angebot, also horte ich schon mal ein bisschen was auf Vorrat. Als wir aus dem Supermarkt treten schüttet es. Wir überlegen zu warten, entscheiden uns letztendlich aber für einen Sprint. Als wir unsere Wohnung erreichen sind wir beide klitschnass. Ich werfe einen Blick auf den Wetterbericht für die nächsten Tage und stelle fest, dass wir uns daran wohl gewöhnen müssen. Nachdem wir beide heiß geduscht und etwas gegessen haben, sitzen wir noch eine Weile in der Küche und quatschen ein bisschen. Nebenbei schweift mein Blick über die mit Kreide bemalte Wand, die wir in der Küche haben, und bleibt irgendwann an einer kleinen Zeichnung in der rechten oberen Ecke hängen. Ich muss lachen. Da reist man 2.000 Kilometer, nur um dann doch wieder die Skizze eines kleinen Penis an der Wand zu finden. Manche Dinge ändern sich eben nicht. Egal wo man ist. Wir debattieren im Spaß über die großartige Kunst der Zeichnung und als Isa kurz darauf eine Mücke erschlägt, die wie ein Mahnmal an der Wand kleben bleibt, sind wir kurz davor ein Museum der modernen Künste zu eröffnen. „Wenn ich gleich völlig übermüdet vom Stuhl kippe, bin ich unser drittes Ausstellungsobjekt“, erkläre ich grinsend und spüre gleichzeitig, wie sehr mich die Erschöpfung tatsächlich übermannt. Ein paar Minuten später verabschiede ich mich dann also wirklich ins Bett. Es dauert keine 5 Minuten, dann bin ich eingeschlafen.

Die kunterbunte Kreidewand in unserer Küche
Das große Meisterwerk am anderen Ende der Welt

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